Krank in der Freizeit – „Leisure Sickness“

Kennst du das auch? Die Semesterferien haben begonnen, man hätte eigentlich etwas Freizeit, bevor man wieder eine Famulatur oder einen weiteren Monat Pflegepraktikum absolvieren muss, man könnte eigentlich etwas ausspannen, entspannen, aber NEIN! – der Hals kratzt und der Kopf dröhnt. Eine Grippe kündigt sich an und irgendwie werden die Ferien gar nicht so wie man sie geplant hätte, weil sie krank im Bett verbracht werden. Das Syndrom hat einen Namen: Leisure Sickness, oder auch Freizeitkrankheit.

Leider ist dieser Symptomkomplex nicht so trivial und unbedenklich, wie man manchmal glauben mag. Denn er kann bereits darauf hindeuten, dass man unter chronischen Stress leidet. Zunächst kann sich der Körper an dauerhafte Stresszustände über einen längeren Zeitraum anpassen, was man auch als Allostase bezeichnet, dabei werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die zunächst die Immunfunktion steigern, die Schlagkraft des Herzens und sogar die Kognition verbessern. Jedoch kann die Allostase im Gegensatz zur Homöostase nicht auf Dauer aufrecht erhalten werden. Es kommt zur allostatischen Belastung, die sich hauptsächlich durch die vielfältigen Wirkungen des Stresshormons Kortisol auszeichnet. Man nimmt leicher und vorallem abdominelles Fett zu, verliert Muskel- und Knochenmasse. Auch die geistigen Fähigkeiten bleiben vom Kortisol nicht verschont. Insbesondere die Gedächntisleistung nimmt ab und unsere Persönlichkeit nimmt eher ängstlichere Züge an.

Was hat all das nun mit „Leisure Sickness“ zu tun?

Die meisten von euch werden bereits den logischen Schritt gegangen sein: Eine auf längere Dauer erhöhte Kortisolausschütung vermindert auch die Leistungsfähigkeit des Immunsystems und macht uns anfälliger für akute, aber auch chronisch entzündliche Erkrankungen.

(In diesem Zusammenhang sei insbesondere folgender Artikel der Konrad-Adenauer Stiftung zum Thema empfohlen: http://www.kas.de/upload/dokumente/verlagspublikationen/Volkskrankheiten/Volkskrankheiten_schulz.pdf#page=1&zoom=auto,-201,581)

Wie die Studie der Universität Tilburg zeigt, ist es aber nicht das Arbeitsumfeld an sich, sondern viel eher die Persönlichkeitsstruktur des Betroffenen, die die Entwicklung der Freizeitkrankheit begünstigt. Insbesondere ein hoher Leistungsanspruch und Perfektionismus scheinen die chronischen Stresszustände zu evozieren.

Ein Betroffener oder eine Betroffene steht ständig unter Strom und empfindet eher einen Drang seinen Tag durch sinnhafte Tätigkeiten zu füllen, die in der Regel wenig Freizeitcharakter haben. Diese stagnierende Dauerbelastung zehrt den Körper auf Dauer aus und führt dazu, dass sich auch Infektionen einnisten und zur sogenannten „Leisure Sickness“ führen. Man nimmt an, dass man unter der stetigen Dauerbelastung im Arbeitsumfeld oder im Studium die ersten Krankheitszeichen noch verdrängt und seine letzten Reserven mobilisiert, bevor sich nach den Prüfungen, zu Beginn des Urlaubs oder am Wochenende das Immunsystem, lapidar ausgedrückt, verabschiedet.

Spätestens jetzt sollte man erkennen, dass Allostase auf Dauer keine Lösung ist. Wie kann man aber die Homöostase wiederherstellen?

Die Predigt ist wohl immer die gleiche: Besorgt euch einen Ausgleich- macht zum Beispiel Sport, aber nicht zu ambitioniert, oder belegt einen Meditationskurs. Wer auf all das keine Lust haben sollte, aber zu den mit „Leisure Sickness“ geplagten gehört, könnte auch einfach seine hohen Ansprüche zurückschrauben.

Für mehr Informationen zur „Leisure Sickness“ könnt ihr in einen Artikel der Universität Tilburg lesen: https://pure.uvt.nl/portal/files/483514/leisnew.PDF (englisch)Außerdem könnt ihr hier noch einen interessanten Beitrag über Psyche und Krankheit, der im Ärzteblatt publiziert wurde studieren: http://www.aerzteblatt.de/archiv/35552

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 


*