Das Leben eines Famulus in der Poliklinik

Irgendwann ist es für die große Mehrzahl der Medizinstudenten soweit: Die erste Famulatur beginnt. Schließlich muss man bis zum Hammerexamen vier Stück davon absolvieren. Im Grunde heißt das, dass man in fast allen Semesterferien nach dem Physikum einen Monat für die Famulatur einplanen muss, wenn man eine Ende des Studiums in Regelstudienzeit anstrebt.

Inzwischen bin ich schon vier Wochen Famulus in der Poliklinik im Campus der Innenstadt. Mein Fazit könnte wohl nicht besser sein: die Ärzte, Pfleger und Pflegerinnen auf Station sind sehr freundlich und ich habe sehr viel neues Wissen im Laufe meiner Famulatur angehäuft. Obwohl die Zeiten voller multimorbider Patienten und komplexen, medizinischen Fällen geprägt sind, bemühen sich alle Ärzte auf Station darum, dass man etwas lernt. Das bedeutet zwar auch kleine Abfragen zwischendurch, was unter Umständen etwas unangenehm enden kann, aber trägt ohne Frage zu einem enormen Erkenntnisgewinn bei. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich direkt nach Modul I eine Famulatur auf einer allgemein internistischen Station mache, also in einem Fachgebiet zu dem ich (ohne Modul 23) kaum Vorwissen mitbringen konnte, daher gibt es in dieser Disziplin noch vieles, was ich noch nicht gelernt habe.

Jedoch ist es nicht nur mein theoretisches Wissen, dass ich mehren konnte, sondern ohne Frage auch mein Praktisches. Die erste Tätigkeit eines Arbeitstages ist -ratet mal- Blutabnehmen. Zugegebenermaßen zunächst mit eher geringerem Erfolg, jedoch ab der dritten Woche mit einer 90%igen Treffwahrscheinlichkeit, wurde ich Stück für Stück besser. Am meisten habe ich mich verbessert, als weder ein PJ-ler noch ein Blockpraktikant auf Station war. Letztlich stimmt eben der alte Spruch : „Übung macht den Meister“. Wobei ich zugeben muss, dass es mich nicht sonderlich aufgeheitert hat diesen Spruch zu hören, wenn ich einen Patienten zu unser beider Leid verstochen habe.

Ein weiterer großer Vorteil der Poliklinik in der Ziemssenstraße ist, dass es jeden Tag Fortbildungsmöglichkeiten oder Fallbesprechungen gibt, die man als Student ohne Probleme besuchen kann. Ich bin beispielsweise jeden Mittwoch um 13:00 Uhr in den EKG- Kurs für PJ-ler gegangen und habe dabei erstmals vom Brugada-Syndrom gehört. Natürlich gab es auch andere Themen, etwa Kammerflatternund Kammerflimmern im Zuge einer Stunde über ventrikuläre Arrhythmien. Donnerstags bestand die Möglichkeit um 14:00 Uhr einer Fotbildung für Assistenzärzte beizuwohnen. Dabei wurden meist seltene Krankheitsbilder anhand von konkreten Fällen, die sich im Krankenhaus abspielten, präsentiert oder einfach medizinisch Vorträge abgehalten.

Dank meiner Famulatur, kann ich schon die meisten EKGs korrekt befunden, obwohl ich von Kardiologie zuvor kaum etwas gehört habe. Desweitern hatte ich das Glück, mitzuerleben wie schwierig es sein kann, manche Erkrankungen klar nachzuweisen. In diesem speziellen Fall, war die Entlassungsdiagnose ein Morbus Still. Da es sich bei dieser Erkrankung, um eine seltene rheumatische Erkrankung handelt, die durch keinen Antikörpernachweis klar diagnostiziert werden kann, müssen alle Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden. Man kann sich vorstellen wie lange die Palette an Untersuchungen ist, um nur einen Tumorausschluss zu gewährleisten.

Im Zuge meiner Tätigkeit als Famulantin musste ich auch Patienten aufnehmen und diese bei Visite vorstellen. Vor allem zu Beginn habe ich mich dabei nicht sehr gloreich geschlagen. Leider habe ich dadurch erst verstanden wozu das Üben einer Patientenvorstellung im L-Kurs gut war. Irgendwie war ich der Fehleinschätzung erlegen, dass man dies erst als approbierter Arzt machen müsste – weit gefehlt. Letztlich habe ich mich auch dabei Stück für Stück verbessert.

Für alle Studenten die viel lernen, aber auch viel leisten wollen, kann ich die Poliklinik in der Ziemssenstraße nur wärmstens empfehlen. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht.

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