Ode an die Ernährung

Ein neues Jahr beginnt. Kaum ist die halb volle Sektflasche sicher im Kühlschrank verstaut, beginnt eine ganz besondere Zeit des Jahres: die Zeit der guten Vorsätze.

Es sind, nach der Vorweihnachtszeit, die umsatzstärksten Wochen für den Einzelhandel, da jeder versucht, durch eine neu erworbene Fitnessmatte und ein Langhantel-Set den Winter- und Weihnachtsspeck wieder los zu werden. Doch spätestens an Fasching sind die Vorsätze sowieso wieder dahin, denn da muss man ja wieder viel Süßes und Fettiges verzehren und Alkohol in Massen konsumieren (Das macht da doch jeder!). Aber bis dahin gilt der alljährliche Plan, über dem man zum dritten oder vierten Mal die Jahreszahl geändert hat:

 

Meine Ziele für das Jahr 2013

Meine Ziele für das Jahr 2014:

Meine Ziele für das Jahr 2015:

Meine Ziele für das Jahr 2016:

  1. Gesund abnehmen
  2. Fitter werden
  3. Bikinifigur

 

„Dieses Jahr geh ich es anders an!“, hab ich mir am Silvesterabend geschworen, „Dieses Jahr mach ich es wirklich und heute fang ich an!“

So und nun ist es so weit. Am 07.01.2016 habe ich mich endlich dazu durchgerungen zum Frühstück nicht die volle Plätzchendose mit den Rest-Plätzchen aus 2015 ins neue Jahr zu retten und sitze jetzt lediglich mit einem Kaffee und zwei Mandarinen an meinem Schreibtisch.

1. Ziel: Gesund Abnehmen. Wie fange ich da am besten an? Stimmt, bei den Plätzchen. Aber dann? Bei Fragen die man selbst nicht auf Anhieb beantworten kann, zieht der moderne Mensch ja gerne seinen engsten Freund und Berater zu Rate: das Internet. Also gebe ich mein Ziel bei einer allseits beliebten Suchmaschine ein.

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Für meine Waage habe ich dieses Jahr schon einen neuen Job gefunden!

Brigitte, Apotheken-Umschau, Sat1-Ratgeber (mit Videos!), Frauenzimmer (sind Gewichts-probleme denn wirklich nur Frauensache?! Wo bleibt da denn die Emanzipation…) ja sogar die Süddeutsche Zeitung! Doch als Medizin-studentin bin ich bei einer solchen Herkunft logischerweise skeptisch. „Gibt’s da nichts auf pubmed?“ denke ich mir. Naja, was soll’s. Ich lese einfach mal rein.

„Gesund abnehmen bedeutet, den Königsweg der Gewichtsreduzierung zu gehen.“

(Abnehmen.net)

Oho, solch weise Worte am frühen Morgen. Aber auf all diesen Seiten finde ich nur vorgefertigte Diätpläne mit Einkaufslisten und Rezepten, bei denen ich mir ehrlicherweise schon im Voraus eingestehe, dass ich das niemals durchziehe. Ich brauche also einen anderen Weg.

Eine ehemalige Klassenkameradin führt seit einiger Zeit einen veganen Foodblog auf Youtube und schwört auf ihre Gewichtserfolge. Etwas deprimiert schäle ich die erste meiner Mandarinen, während ich ihren überzeugten Youtuber-Worten lausche. Essen so ganz ohne Fleisch, Fisch, Ei und Milch? Ich gehe all meine Leibspeisen durch: Spagetti Carbonara – ohne Sahne, ohne Speck? Da bleibt ja nichts mehr übrig! Pizza Salami mit extra viel Käse – ohne Salami, ohne Käse? Nein, nein, das ist derzeit wirklich keine Option. Respekt an alle die das schaffen, aber 2016 wird das nichts. Vielleicht 2017 wenn es dieses Jahr wieder nicht klappt mit dem Abnehmen. Oder 2018. Oder so.

2. Ziel: Fitter werden. Vielleicht kann ich allein mit dem Sport genug abnehmen. Und was solls, als Mediziner weiß man dank der Sportmedizinvorlesung: Lieber dick und sportlich, als dünn und unsportlich! Aber so richtig motiviert aufzustehen und loszujoggen bin ich dadurch jetzt auch nicht. Also mache ich den Fernseher an und schäle meine zweite Mandarine.

Und siehe da: Kaum fünf Minuten Film, die erste Werbepause. Jetzt im Januar reihen sich in solch einer Werbepause die Fitnessprogramme nur so aneinander: Daniel Aminati will mich krass machen, Maria Höfl-Riesch macht mich fit und eine (mir gänzlich unbekannte) Sophia Thiel reckt ihren Six-Pack in die Kamera. Und alle postulieren: nur 3 x 20 min pro Woche! 8 Wochen für 79 Euro, 12 Wochen für 99 Euro,… Das ist mir als Studentin dann doch ein bisschen zu teuer, egal wie hoch die Sixpack-Dichte in solch einem Spot ist. Also beschließe ich auch beim Punkt „Fitter werden“, es doch mit Joggen zu versuchen, wie letztes Jahr und all die Jahre zuvor.

3. Ziel: Bikinifigur. Als ich gerade überlege aufzustehen und aufgrund all der deprimierenden, pseudo-wissenschaftlichen Ergebnisse doch zur Plätzchendose zu greifen, trudelt eine Spam-Mail auf dem Handy ein. „Heilfasten“ lautet der Betreff. Wär das nicht meine Chance? Interessiert lese ich nach und finde in einem Forum die Schilderungen eines jungen Mannes: Er und seine Freundin haben gerade mit dem Heilfasten begonnen. Nach mehreren Tagen nur Gemüse hat jeder von ihnen eine gewisse Menge in Wasser aufgelöstes Glaubersalz eingenommen, um den Darm zu entleeren. Jetzt rumort es in seinem Magen-Darm-Trakt wie verrückt, aber es kommt nichts raus. Seine Frage also: Was soll er jetzt tun?

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Der Traum von der Bikinifigur

Meine Frage also: Möchte ich das tun? Eigentlich muss ich ja lernen, in wenigen Tagen stehen die Klausuren am Semesterende an, da sollte ich meine Zeit nicht auf der Toilette verbringen. Und in den Semesterferien, ja da ist ja dann schon fast Fasching.

Ernüchtert stehe ich auf, gehe in Richtung Bad und betrachte meinen Bauch im Spiegel. Wie all die Jahre zuvor beschließe ich: So schlimm ist es doch gar nicht. Den Rest kriegst du bis zum Sommer mit ein bisschen weniger Süßigkeiten (außer an Fasching! Und zu Ostern! Und Pfingsten!) und etwas mehr Sport (3 x 20 min pro Woche reicht ja anscheinend) auch hin. Und wenn die Bikinifigur bis dahin immer noch nicht passt, dann ist das wenigstens ein guter Grund für einen neuen Badeanzug.

Beruhigt lege ich also schon heute, am 07.01.2016 meine Liste mit den guten Vorsätzen an einen Ort, an dem ich sie am nächsten Silvesterabend bestimmt wiederfinde.

Ina Schwarz

PS: An alle, die sich für vegane Ernährung und die Auswirkungen dieser Ernährungsform interessieren: In der nächsten Ausgabe der Synapse findet ihr ein interessantes und informatives Interview mit einem Stoffwechselexperten.