Unser Mikrobiom – The Next Big Thing?

Der Mensch lebt nicht nur in einem Ökosystem, er ist selbst eines. Eine schier unglaubliche Anzahl und Vielfalt an Mikroorganismen bevölkert den menschlichen Körper. Es ist mittlerweile weit bekannt, dass in und auf dem menschlichen Körper an der Zahl deutlich mehr bakterielle, prokaryontische Zellen leben, als der menschliche Körper an „eigenen“ Zellen besitzt. An der Zahl sind sie im Verhältnis 1:10 überlegen, an DNA-Menge sogar im Verhältnis 1:100. Dies liegt zu einem nicht unwesentlichen Anteil daran, dass prokaryontische Zellen deutlich kleiner sind als menschliche Zellen. So besitzen alle Bakterien auf dem menschlichen Körper nur etwa 0,5 – 1 kg an Gewicht.

Das Mikrobiom des menschlichen Körpers rückte erst zuletzt in das Visier der biomedizinischen Forschung. 90% der verfügbaren Publikationen zum Mikrobiom wurden in den letzten 5 Jahren veröffentlicht. Erst 2008 wurde das Human Microbiome Project von US-amerikanische NIH (National Institutes of Health) ins Leben gerufen. Innerhalb von 5 Jahren wurden 5000 Proben von mehr als 200 Probanden untersucht. Dabei wurden mehr als 80% der geschätzt 8 Millionen für Protein codierende Gene erfasst. Zum Vergleich: Der Mensch besitzt etwa 22.000 Gene, die für Proteine codieren, das Mikrobiom des Menschen besitzt geschätzt 8.000.000 für Proteine codierende Gene. Vor etwa einer Woche kündigte das US-amerikanische White House Office of Science and Technology Policy (OSTP)  die „National Microbiome Initiative“ an. Es geht darum interdisziplinäre Forschung am Mikrobiom, Plattformen für Forschungsergebnisse und das Engagement in diesem Gebiet in der Gesellschaft zu fördern. Bakterien sind, anders als oft wahrgenommen, oft Symbionten und nicht nur Krankheitserreger. Verschiedene staatliche US-Institutionen investieren 121 Mio. Dollar für diese Initiative. Externe Investitionen steuern dazu nochmal 400 Mio. Dollar bei, alleine 100 Millionen Dollar kommen von der Bill and Melinda Gates Foundation. Verantwortliche des OSTP nennen die Initiative „nur den Anfang“.

Jeder Mensch beherbergt mehr als 1000 verschiedene Mikrobioben. Dabei kommt der Darm des Menschen beispielsweise steril zur Welt. Aber schon während der Säugling den Geburtskanal durchtritt, erhält dieser einen Teil des Mikrobioms der Mutter. Einen Monat nach der Geburt zeigen Säuglinge, welche durch eine Kaiserschnitt zur Welt kamen, ein deutlich reduziertes Mikrobiom im Darm, gegenüber solchen, welche durch eine Vaginalgeburt die Welt erblickten. Während des Lebens entwickelt sich das Mikrobiom des Menschen und hat Einfluss auf dessen Gesundheit. Ungleichgewichte des physiologischen Mikrobioms des Darms sind auf der einen Seite mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und dem Reizdarmsyndrom assoziiert, auf der anderen Seite aber auch mit Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Atopie.

Wer mehr zu dem Thema erfahren will, findet auf PubMed eine wunderbare Übersichtsarbeit unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4566439/ .

 

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